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Drei bunte Ziegen vor dem Rathaus: Das hätte doch was. Aber warum ist die Skulptur des portugiesischen Street-Art-Künstlers Artur Bordalo (39) im Naturschutzgebiet an der Rethlage versteckt worden? Schämt sich da jemand, sie öffentlich zu zeigen? Immerhin hat das Kunstwerk rund 47.000 Euro gekostet. Und da sollte es doch vorzeigbar sein.
Das stille Meckern der Ziegen
Kreis Lippe platziert ein Kunstwerk an unzugänglicher Stelle
Von Hajo Gärtner (Text/Montage/Kommentar)
Lage-Müssen. Sieht nach einem Schildbürgerstreich aus: Da erwirbt der Kreis Lippe mit Fördermitteln von Bund und Land eine 47.000 Euro teure Skulptur und versteckt sie in einem nur schwer zugänglichen Naturschutzgebiet an der Rethlage (Im Heitland). Unauffällig geht anders: Denn die Plastik-Ziegen provozieren inzwischen einen unerwarteten Besucherstrom. Alle wollen das heimliche Kunstwerk sehen, das Neugier hervorruft, eben weil es scheinbar verborgen wird. »Das am besten versteckte Kunstwerk Lippes steht seit Kurzem wohl in Lage-Müssen«, meldet Radio Lippe.
Was hat es damit auf sich? Der Kreis Lippe begründet den Standort am ehemaligen Kieswerk mit der Symbolik der Kunst. Bordalo ist bekannt dafür, dass er aus Müll Tiere erschafft. Ein weiteres Werk hat der Portugiese auch in der Klimaerlebniswelt in Oerlinghausen hinterlassen.
Macht Kunst Sinn, die man verstecken muss? Das Einzige, was an der »Müll-Skulptur« auf Kunst hinweist, ist der Preis. Wer ist schon bereit, 47.000 Euro für Müll zu bezahlen? Das muss schon Kunst sein. Manche interpretieren das aus Plastikteilen gefertigte Objekt als Protest gegen den Plastikmüll einer Ressourcen verschwendenden Konsumwelt. Uwe Detert (AfD) hat dagegen eine entschieden ablehnende Meinung und hat sie in einen satirisch pointierten kritischen Videoclip gegossen:
Kommentar
von Hajo Gärtner
Kunst im Hinterzimmer
Über Geschmack lässt sich nicht streiten, sagt der Volksmund – und hat damit vermutlich recht. Kunst ist schließlich Geschmackssache.
Aber 47.000 Euro für ein vermutliches Kunstwerk auszugeben und es anschließend im Hinterzimmer zu verstecken – das hat schon eine gewisse Komik. Fast so, als würde man sich für den eigenen Geschmack schämen. Oder wenigstens hoffen, dass niemand danach fragt.
Keine Frage: Bordalos Ziegen sind nicht schön. Müssen sie auch nicht sein. Schließlich gibt es die »Ästhetik des Hässlichen«, und die hat in der Kunst durchaus Tradition. Hässliches kann provozieren, irritieren und zum Nachdenken anregen.
Nur: Plastikmüll in die Landschaft zu stellen, um auf die Vermüllung der Welt und die Verschwendung von Ressourcen aufmerksam zu machen, ist ungefähr so, als würde man Öl in die Werre kippen, um vor Gewässerverschmutzung zu warnen. Die Botschaft mag stimmen. Die Methode hat allerdings etwas Paradoxes.
Und warum ausgerechnet Ziegen? Weil Ziegen meckern? Weil sie genügsam sind? Weil sie Plastik fressen würden, wenn man sie ließe? Oder weil sie in der Kunstszene als besonders geeignete Abnehmer für 47.000-Euro-Ideen gelten?
Vielleicht gibt es darauf eine hochkomplexe kunstwissenschaftliche Antwort. Vielleicht aber auch nicht. Ich bin jedenfalls gespannt, welcher Experte uns das philosophische Innenleben dieser Plastikziegen noch erschließt.
Dazu müssten sie allerdings zunächst einmal ans Licht der Öffentlichkeit. Denn derzeit ist die Kunst dort, wo man sie offenbar selbst am wenigsten erwartet: im Versteck.
Dieses Schreiben der Firma "Deutsche Messwesen" ist in die Briefkästen der Häuser an der Ehlenbrucher Straße geflattert. Zeitgleich mit dem Stromzählertausch, den "Westfalen Weser Netz" zurzeit durchführt. "Mit der Firma haben wir nichts zu tun", betont der regionale Strom- und Gasnetzbetreiber.
Kostenlos ist nicht gleich umsonst
Firma "Deutsche Messwesen" bietet Smartmeter-Einbau an
Von Hajo Gärtner
Lage-Ohrsen/Ehlenbruch. »Kostenlose Installationstermine sind nur noch für Anfragen bis zum 18. 10. 2026 freigeschaltet«, steht in dem Schreiben der Firma »Deutsche Messwesen«, das in die Briefkästen der Häuser an der Ehlenbrucher Straße geflattert ist. Die Mitteilung baut Druck auf: »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben«, hatte einst der russische Präsident Michail Gorbatschow zu Erich Honecker gesagt, und kurze Zeit später explodierte die DDR.
Also: Wer das Angebot der Firma »Deutsche Messwesen« (DMG) nicht ernst nimmt, erleidet einen veritablen Schaden, könnte man schließen. Die bietet an, kostenlos ein Smartmeter als Stromzähler einzubauen und dem Besitzer damit 115 Euro Netzentgeld im Jahr zu sparen. Klingt gut. Aber wo ist der Pferdefuß?
»Wer das Angebot annimmt, sollte rechtzeitig nach den Bedingungen im Kleingedruckten fragen, bevor er mit dem bestellten Einbau das Risiko von Folgeverträgen eingeht«, heißt es auf Nachfrage von Lage Aktuell aus dem Kundencenter von Westfalen Weser Netz (WWN). Und die Blomberger Versorgungsbetriebe (BVB), in deren Gebiet das Schreiben der DMG auch aufgetaucht ist, rät: »Niemand muss auf diese Briefe reagieren, und niemand verpasst etwas, wenn er es nicht tut.«
Die Schreiben würden den Eindruck erwecken, Haushalte müssten kurzfristig handeln, um einen gesetzlich vorgesehenen Zählertausch zu veranlassen oder sich Vorteile zu sichern, erläutern die Blomberger Versorgungsbetriebe und verweisen auf den hauseigenen Service. Auch Westfalen Weser Netz rät dazu, sich im Bedarfsfall direkt an den regionalen Versorger zu wenden: »Wir wissen schon, was zu tun ist, und lassen unsere Kunden nicht im Regen stehen.«
Mögliche versteckte Kosten: Ist der Zählerschrank, in den das Smartmeter eingebaut werden soll, veraltet oder erfüllt er nicht die modernen technischen Voraussetzungen (wie ein sogenanntes APZ-Feld), muss der Hauseigentümer auf jeden Fall in die eigene Tasche greifen. Das kann - je nach Aufwand - 500 bis 3.000 Euro kosten.
Tatsächlich gibt es auch einen gesetzlich geregelten "Pflichteinbau" für PV- und Wärmepumpen-Besitzer. Aber in diesem Rahmen ist die Grundinstallation eines Smartmeters auf jeden Fall kostenlos.
Margarete Wißmann (links) erläutert sehr anschaulich, wie die Früchte am Apfelbaum gepflückt werden sollen. Jahrespraktikant Bernhard Potberg (daneben) und Erzieherin Kerstin Straube (Mitte) hören gespannt zu. Kids aus dem Kinderhaus "Blauer Elefant" von der Lemgoer Straße halten sich präzise an ihre Anweisungen, gönnen sich aber trotzdem einen Probebissen ihrer Ernte. Für ihren Fleiß werden sie hinterher mit einem köstlichen Apfel-Pfannekuchen belohnt.
Der Apfel fällt nicht weit vom Kind
Kinderhaus "Blauer Elefant" erntet auf der Obstwiese des Lippischen Heimatbundes für Projekt "Nachhaltigkeit"
Von Hajo Gärtner (Text & Foto)
Lage. Nummer 89 ist der unangefochtene Star auf der Obstwiese. Kaum zu glauben, was der Baum so alles an den Ästen hängen hat. Apfel an Apfel, dicht an dicht – als hätte jemand beim Einräumen des Obstregals die Packungsgrenze großzügig ignoriert. Und dabei ist Nummer 89 noch gar nicht besonders alt.
Seine eher überschaubare Körpergröße kommt den Kindern des Kinderhauses »Blauer Elefant« an der Lemgoer Straße allerdings sehr entgegen. Was andernorts eine Leiter erforderlich machen würde, lässt sich hier mit ein bisschen Recken und Strecken erledigen. Wobei vor dem Strecken zunächst einmal das Bücken kommt.
»Sammelt zuerst die Äpfel vom Boden auf«, weist Margarete Wißmann, Vorsitzende der Ortsgruppe Lage im Lippischen Heimatbund, die jungen Erntehelfer an. Schließlich soll kein Apfel unnötig im Gras verschimmeln. Schon bald haben die Nachwuchs-Pflücker den Dreh heraus: Hier wird gesammelt, dort wird geschüttelt – und schon purzeln die Vitaminbomben aus dem Baum.
»Vom Baum in den Korb, vom Korb in die Presse – und am Ende kommt der Herbst in flüssiger Form aus der Flasche«, bringt es Ferdinand Schmedding, der sich im Transportwesen der Apfel-Aktion des Lippischen Heimatbundes engagiert, auf den Punkt.
Für Michael Biermann, den Vorsitzenden des Fördervereins Stadtbücherei, sind Bücher keine Last, sondern eine Lust. Mit seiner Begeisterung fürs Lesen und die Stadtbücherei steckt er eine große Zahl von Menschen und auch die eigenen Töchter an. Nun übernimmt er auch noch die Leitung der Buchhandlung und des Papierhauses Brückmann.
Zwei Wege ins
Lese-Universum
Lage. Man darf Michael Biermann mit Fug und Recht einen Kulturmanager nennen. Wobei „Manager“ fast schon untertrieben ist: Der 53-Jährige scheint die Mission zu verfolgen, möglichst viele Menschen mit Büchern, Autoren und Geschichten in Berührung zu bringen.
Als Vorsitzender des Fördervereins Stadtbücherei hat Biermann in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Reihe von Autoren nach Lage geholt. Von lokalen Größen wie Mechtild Borrmann und Joachim H. Peters bis hin zu überregional bekannten Namen wie Christian Berkel oder Leo Reisinger.
Die Lesungen im Technikum sind längst keine kleinen Kulturereignisse mehr. Wenn der Saal dort aus allen Nähten platzt, weicht Biermann kurzerhand in die Aula des Schulzentrums Werreanger aus: fürs ganz große Publikum.
Und natürlich gehören zu einer ordentlichen Lesung nicht nur Stühle, Mikrofone und Autoren, sondern auch Bücher. Dafür sorgte regelmäßig die „Buchhandlung und das Papierhaus Brückmann“ mit einem Büchertisch. Vor dem Tisch bildeten sich nach den Veranstaltungen mitunter beachtliche Schlangen: viele Fans, die schon vorher welche waren, und solche, die es während der Lesung geworden sind.
Nun hat Biermann offenbar beschlossen, dass ihm die Zusammenarbeit mit der Buchhandlung und dem Papierhaus noch nicht eng genug ist. Er übernimmt deshalb das Geschäft an der Langen Straße 79. Aus dem Kulturmanager wird also auch ein Buchhändler. Oder anders gesagt: Der Mann wechselt vom Organisieren der Lesung auch auf die andere Seite des Büchertisches.
Ganz überraschend kommt dieser Schritt allerdings nicht. Das Motto der Buchhandlung lautet „Lage liebt Lesen“. Hinzu kommt das reichhaltige Angebot des Papierhauses, wo Kunden alles für die Schule, das Büro und die Freizeit finden. Und genau das gehört zu Biermanns Kerngeschäft. Die Buchhandlung will mehr sein als ein Ort, an dem Bücher über die Ladentheke geschoben werden. Sie möchte Raum für Fantasie, Entdeckung und Begegnung sein.
Dafür gibt es in Lage eine lange Tradition. Wilhelm Brückmann gründete das Geschäft 1950. Seit inzwischen 76 Jahren ist die Buchhandlung eine feste Größe im kulturellen Leben der Stadt, und heute die bedeutendste und zugleich letzte verbliebene Buchhandlung in der Innenstadt.
Lagenser Lesezwerge
singen und dichten
Lage. Milan und Leandra, die Figuren aus den beliebten Lagenser Kindergeschichten von Carolin Jenkner-Kruel, haben schon Einiges in Lage angestellt. Am Mittwoch, 7. Oktober, kommt ein neues Abenteuer dazu, und diesmal wird es musikalisch. Um 16 Uhr sind Kinder zwischen vier und acht Jahren zu den Lagenser Lesezwergen in die Stadtbücherei Lage eingeladen. Die neue Geschichte heißt »Keine Frage, wir kommen aus Lage – wie Milan und Leandra zu Dichtern wurden«.
Neben der Geschichte gibt es eine weitere Premiere. Die Musikerin Stefanie Schwarz hat ein Lied über Lage komponiert, das zu den Geschichten der beiden Geschwister passt. Der Text dazu stammt von der Kinderbuchautorin Carolin Jenkner-Kruel. Beim Lesenachmittag erklingt das Lied zum ersten Mal vor Publikum. Die Kinder hören aber nicht nur zu: Das Lied wird gemeinsam geübt, bis alle mitsingen und mit Klangstäben, Trommeln und Rasseln begleiten können.
Danach sind alle gemeinsam gefragt, selbst zu reimen. Mithilfe einfacher Anleitungen können Kinder und Erwachsene eigene Strophen dichten und auch bei der Bastelaktion dreht sich diesmal alles ums Reimen.
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig. Der Förderverein Stadtbücherei Lage unterstützt die Veranstaltung.
Erinnerung an
starke Frauen
Lage. Zu einer besonderen literarisch-musikalischen Veranstaltung laden der Förderverein Stadtbücherei Lage e.V. und die Gleichstellungsstelle der Stadt Lage am Freitag, 2. Oktober, um 19 Uhr ins Kulturzentrum Technikum, Lange Straße 124, ein.
Unter dem Titel „die nimmer werden untergehen“ gestalten die Tänzerin, Choreografin und Sprecherin Ulrike von der Linden sowie Harfenistin Lydie Römisch einen Abend, der Literatur, Musik und die Auseinandersetzung mit starken Frauenpersönlichkeiten miteinander verbindet.
Im Mittelpunkt stehen Frauen, deren Stimmen, Geschichten und Leistungen nicht in Vergessenheit geraten sollen. Mit Texten, Musik und einer persönlichen, eindringlichen Präsentation erinnern die beiden Künstlerinnen an Frauen, die sich behauptet, Widerstand geleistet und ihre Zeit geprägt haben. Dabei entsteht ein abwechslungsreicher Abend, der zum Nachdenken anregt, berührt und zugleich die Kraft weiblicher Perspektiven sichtbar macht. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro. Karten sind in der Buchhandlung Brückmann, Lange Straße 79, und in der Stadtbücherei Lage, Bergstraße 6, erhältlich.







