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Die Ratssitzung vom gestrigen Donnerstag hat Uwe Detert, den Verfechter der kommunalpolitischen Karikatur, zu zwei kreativen Arbeiten (mit der Unterstützunng von KI) angeregt. Auf die Bilder klicken, um sie zu vergrößern.
Lage verliert seine Locken
Kämmerer Uwe Aust bringt einen deprimierenden
Haushaltsentwurf für das kommenden Jahr ein
Glosse von Hajo Gärtner
Lage. Hat die Zuckerstadt ihre Haarpracht nun endgültig verloren? »Wir müssen die Locken auf der Glatze drehen«, hatte Kämmerer Uwe Aust mit Blick auf die angespannte Haushaltslage 2026 seinerzeit verkündet. Ein Bonmot, das in seiner sprachlichen Eleganz durchaus Hoffnung auf einen aussichtsreichen finanziellen Friseurbesuch machte. Doch bei der Einbringung des Haushaltsentwurfs für das kommende Jahr mochte Aust auf diese Metapher offenbar nicht mehr zurückgreifen. Zu dramatisch die Zahlen, die er den Ratsmitgliedern präsentierte. Botschaft zwischen den Zeilen: Die Locken sind weg. Die letzten Haare haben sich verabschiedet. Was bleibt, ist eine kommunale Glatze, die sich auch mit viel gutem Willen nicht mehr kaschieren lässt.
Aber keine Panik! Wo auf dem Kopf nichts mehr sprießt, hilft bekanntlich eine Perücke. Und die Kämmerei hat offenbar eine besonders raffinierte Ausführung im Angebot. Uwe Detert hat sich angesehen, wie Uwe Aust den hoffnungslosen Haushaltsentwurf aufhübscht. Ein Genieststreich! Dabei bedient sich der Kämmerer eines bemerkenswerten Zaubertricks: Er lässt Geld kreisen und erhöht damit die Haushaltsposition „Eigenkapital“. Wie ein Zauberkünstler, der vor versammeltem Publikum ein Kaninchen aus dem Zylinder zieht, holt er auf diese Weise sechs Millionen Euro hervor. Chapeau! (Siehe Artikel rechts.) Leider lässt sich mit diesem Taschenspielertrick das Haushaltsdesaster nicht komplett wegzaubern. Die Hasenfüße bleiben sichtbar. Dennoch verlangt Aust von den Ratsmitgliedern bei seinem Vortrag wiederholt »Zuversicht«. Man könnte seine Botschaft auch frei übersetzen: »Wir haben keine Chance. Ergreifen wir sie!«
Die nackten Zahlen fordern allerdings Zuversicht nicht geradezu heraus. War bislang von einem Haushaltsloch in Höhe von zehn Millionen Euro die Rede, wächst das Fass ohne Boden im kommenden Jahr auf mehr als zwölf Millionen Euro an. Wohlgemerkt: vorsichtig geschätzt. »Wir erleben größere Herausforderungen bei einer sich ausprägenden Mängellage«, stellte Aust trocken fest. Merke: Es geht finanziell rapide bergab.
Ohne dass jemand nachgefragt hätte, beteuert der Kämmerer wiederholt: »Ich will in meinem Vortrag eine zuversichtliche Grundhaltung transportieren.» Das ist löblich. Zuversicht kann schließlich Berge versetzen. Nur sollte man sich nicht darauf verlassen, dass sie auch Schuldenberge abträgt. Denn die unvermeidlichen Kassenkredite werden auf 60 Millionen Euro steigen.
Das bedeutet in ungeschminkter Ansage: Lage bleibt Schuldenkönigin im Lipperland. Das Krönchen sitzt, auch wenn es zunehmend aus unbezahlten Rechnungen gefertigt wird. Für die NRW-weite Königswürde reicht die Pro-Kopf-Verschuldung allerdings noch nicht. Mit aktuell 5363 Euro je Einwohner – Tendenz in den kommenden Jahren steigend – ist Lage zwar keineswegs ein finanzielles Leichtgewicht, aber von den ganz großen Schulden-Komtessen noch ein ganzes Stück entfernt. Mülheim an der Ruhr bringt es auf rund 10.000 Euro, Monheim am Rhein hält mit 13.571 Euro die Spitzenposition im Land. Ist die Verschuldung ein kommunales Schicksal? Mitnichten. Denn es gibt es 136 Kommunen im Land, die schon vor zwei Jahren vorgemacht haben, wie man Schulden abbaut. Meerbusch, Schermbeck und Kerpen haben sogar sämtliche Kassenkredite getilgt. Offenbar gibt es Kommunen, die nicht nur wissen, wie man Schulden macht, sondern auch, wie man sie wieder los wird.
Allerdings stammen diese Vergleichszahlen aus dem Jahr 2024. Und der „Bund der Steuerzahler“ (BdSt) zieht unterm Strich eine ernüchternde Bilanz: »Die NRW-Kommunalschulden steigen insgesamt immer weiter.« Lage befindet sich also keineswegs auf einer einsamen Insel im steigenden Schuldenmeer. Aber wem nützt es etwas, wenn er hört, dass dem Nachbarn das Wasser auch bis zum Hals steht. Kann das ein Trost sein?
Uwe Aust zieht für den Lagenser Haushalt eine wenig überraschende Schlussfolgerung: Ohne Hilfe von außen, also von Bund und Land, gibt es offenbar keinen Ausweg aus der Schuldenfalle. Die Stadt sitzt fest. Und zwar nicht nur mit einem Fuß, sondern gleich mit beiden Beinen. Rat und Verwaltung haben deshalb bereits erste Konsequenzen gezogen. Freiwillige Leistungen wie das Spielmobil werden zum Jahresende eingestellt. Ebenso wie das Angebot "Mambini" (Gesundheitsförderung für Eltern mit kleinen Kindern). Die offene Jugendarbeit wird im HoT konzentriert und das "Jugendcafe" aufgegeben. Auch Stadtbücherei und Musikschule müssen ihre Gebührenstrukturen überarbeiten und ihren „Kunden“ höhere Beiträge abverlangen. Wer künftig lesen, musizieren oder einfach nur ein bisschen Kultur genießen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Kommunale Kultur wird damit zwar nicht eingeschränkt, aber zumindest teurer.
Nur: All diese Maßnahmen werden bei Weitem nicht ausreichen, um das zwölf Millionen Euro große Haushaltsloch auch nur spürbar einzudämmen. Da müsste schon ein ziemlich großer Geldregen niedergehen. Und zwar nicht nur ein kurzer Schauer, sondern ein ausgewachsenes Finanzgewitter mit nachhaltiger Wirkung.
Es kommt ein hartes Jahr auf die Zuckerstadt zu. Die Kommunalpolitiker werden sich im Rat wohl noch so manche heiße Debatte liefern. Denn wenn gespart werden muss, geht es ans Eingemachte. Dann wird nicht mehr nur über Zahlenkolonnen und Haushaltspositionen gestritten, sondern darüber, wer auf was verzichten soll, welche Angebote noch bezahlbar sind und welche Opfer den Bürgern zugemutet werden müssen. Die Kunst wird darin bestehen, die Opfer möglichst gerecht zu verteilen. Eine Aufgabe, die angesichts leerer Kassen ungefähr so einfach ist wie das Drehen von Locken, die nicht mehr da sind, auf der Glatze.
Und damit wären wir wieder bei Karl Kraus. Vielleicht sollte man seinen Spruch für Lage ein wenig abwandeln: Wenn schon keine Locken mehr wachsen, muss wenigstens die Perücke sitzen. Doch selbst die schönste Frisur kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass darunter nichts mehr sprießt. Es wird schwerfallen, den Friseur zu finden, der auf einer Glatze eine Dauerwelle hinbekommt.
Ein sehr kommunikativer Besucher der Lagenser Wache: Nachdem das neugierige Huhn im Lagenser Supermarkt auf sich aufmerksam gemacht hatte, fuhr es bereitwillig mit zur Polizeistation. Dort gab es noch viel mehr Neues und Interessantes zu erleben. Foto: Polizei
Kommissar Huhn lässt grüßen
Seltener Gast auf der Polizeiwache: Eine ausgebüchste Henne macht auf sich aufmerksam
Glosse von Hajo Gärtner
Lage. Wer glaubt, dass auf einem Supermarktparkplatz nur Autos, Einkaufswagen und gelegentlich ungeduldige Autofahrer unterwegs sind, der irrt. Kürzlich sorgte dort nämlich ein ganz besonderer Verkehrsteilnehmer für Aufsehen: ein freilaufendes Huhn.
Statt sich um Eierpreise oder Sonderangebote zu kümmern, hatte die gefiederte Dame offenbar beschlossen, auf eigene Faust die große weite Welt zu erkunden. Dummerweise hatte sie sich dafür ausgerechnet einen Supermarktparkplatz ausgesucht. Zwischen rangierenden Autos, hupenden Verkehrsteilnehmern und eiligen Kunden war das Abenteuer offenbar doch etwas aufregender als gedacht.
Da staunt die Wühlmaus, und der Igel wundert sich: Eine glatte Oberfläche geht doch anders. Eben gepflastert, senken sich stellenweise Steine in die Erde ab.
Meisterwerk der Pflasterkunst
Der Parkplatz am Werreanger erzeugt Stirnrunzeln
Glosse von Hajo Gärtner (Text & Foto)
Lage. Martina Hannen (FDP) machte in der Ratssitung energisch darauf aufmerksam: Der Parkplatz am Werreanger macht keine gute Figur. Eine Million Euro, ein halbes Jahr Verspätung und Unebenheiten in Serie: Von außen sieht er kurios aus. Das Pflaster liegt zwar flach auf dem Boden. Aber eine Kleinigkeit scheint noch nicht ganz geklärt: Ist das eigentlich ein Parkplatz – oder eher ein Trainingsplatz für Motocross-Rennen?
Die wundersame Kapitalvermehrung
Analyse von Uwe Detert
Lage. Der Stadt Lage geht langsam das Eigenkapital aus. Doch für 2029 hat die Verwaltung einen besonderen Buchungstrick vorgesehen – zusätzlich zu den Millionengewinnen, die der städtische Abwasserbetrieb ohnehin regelmäßig an den Stadthaushalt abführen soll (siehe Artikel im Anschluss).
Und so funktioniert der Trick:
Schritt 1: Der Abwasserbetrieb schüttet 6 Millionen Euro aus seinen angesammelten Gewinnen an die Stadt aus. Die Stadt verbucht das als Einnahme in ihrer Ergebnisrechnung. Schon sieht der Haushalt um 6 Millionen Euro besser aus.
Schritt 2: Jetzt gibt die Stadt dieselben 6 Millionen Euro sofort wieder an den Abwasserbetrieb zurück – allerdings nicht als Ausgabe, die das Jahresergebnis belastet, sondern als Kapitaleinlage. Der Betrag soll künftig den Wert ihrer Finanzanlage erhöhen.
Fertig ist der Haushaltszauber! Das Geld ist wirtschaftlich noch dort, wo es vorher war. Trotzdem kann die Stadt auf dem Papier 6 Millionen Euro mehr Eigenkapital ausweisen.
Geschäft mit dem Schmutz. Abwasser finanziert eine fette Position im Haushalt. Grafik mit Hilfe von KI.
Geld stinkt nicht
Von Hajo Gärtner (Text & Bild)
Lage ist im Kreisvergleich
ein superteures Pflaster
Lage. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) vergleicht jährlich die Gesamtkosten für einen standardisierten Musterhaushalt (4 Personen, 200 m³ Schmutzwasser pro Jahr, 130 m² versiegelte Fläche). Im Vergleich mit der Nachbarstadt Lemgo kommt dabei heraus: Der Musterhaushalt drückt in der Zuckerstadt jährlich 1228,50 Euro ab, in Lemgo fallen nur 982,60 Euro an. Und die Alte Hansestadt liegt schon über dem lippischen Durchschnitt (rund 960 Euro). Damit gehört die Zuckerstadt für den Steuerzahlerbund »zur absoluten Spitzengruppe der teuersten Kommunen« im Lipperland.
Das ändert nichts daran, dass die Verwaltung dem Rat in der Betriebsausschuss-Sitzung, die der Ratssitzung um einen Tag voranging, eine weitere Erhöhung zum 1. Januar vorgeschlägt.
Der Städtische Abwasserbetrieb Lage hat allein im Jahr 2024 einen Gewinn von rund 2,98 Mio. Euro erwirtschaftet. Davon wurden 2,975 Mio. Euro an die Stadtkasse abgeführt. Zwischen 2010 und 2024 waren es insgesamt rund 23,6 Millionen Euro.
Sieht so aus, als biete das Wassergeschäft der Stadt eine kräftig sprudelnde Geldquelle. Gewinne mit Schmutzwasser? Wie sagte schon der Römer vor gut 2000 Jahren: »Pecunia non olet“ (»Geld stinkt nicht“). Das sagte Kaiser Vespasian, als er eine Steuer auf öffentliche Latrinen beziehungsweise den Urinhandel einführte. Sein Sohn Titus soll die Einnahmen als anrüchig kritisiert haben. Vespasian hielt ihm daraufhin Geld unter die Nase und fragte, ob es stinke.
Verleger Hans C. Jacobs, Fördervereinsvorsitzender Michael Biermann, Stadtbücherei-Leitererin Eva-Maria Allert und Kinderbuchautorin Carolin Jenkner-Kruel (hintere Reihe) sind mit der Arbeit der jungen Autoren der Schreibwerkstatt sehr zufrieden.
Robbi bereitet
das Müsli zu
Junge Schreibwerkstatt stellt Zukunftsvision vor
Text & Foto: Hajo Gärtner
Lage. Wozu braucht man leere Blätter? Richtig: damit man sie vollschreibt. Mit Einkaufszetteln, Steuererklärungen oder Liebesbriefen. Die jungen Autoren der Lagenser Stadtbücherei haben sich für etwas deutlich Spannenderes entschieden: Sie schreiben Zukunft auf. Und zwar gleich bis ins Jahr 2050.
Das Ergebnis ist ein kleines, aber feines Büchlein mit dem vielversprechenden Titel „Die Zukunft ist ein leeres Blatt“. Der Untertitel verrät, worum es geht: „Lagenser Schreibreise ins Jahr 2050“. Zehn- bis 14-Jährige haben sich auf den Weg gemacht und ihre Fantasie von der Leine gelassen. Was dabei herausgekommen ist, lässt sich in 50 Exemplaren nachlesen – so hoch ist nämlich die Auflage. Eine Rarität also, kein literarischer Blockbuster, aber eine Vision, die Beachtung verdient.
Herausgegeben hat diese Rarität der Förderverein der Stadtbücherei. Den Druck ermöglichte Verleger Hans C. Jacobs vom Lippe Verlag. Mit an Bord war außerdem die Lagenser Autorin Carolin Jenkner-Kruel; Unterstützung kam vom Programm „SchreibLand NRW“.
„Mit diesem Buch halten Sie das wunderbare Ergebnis dieses Projekts in den Händen“, schwärmt Fördervereinsvorsitzender Michael Biermann im Vorwort. Die Geschichten und Gedichte zeigten, wie viel Potenzial, Tiefgang und Erfindungsreichtum in den jungen Schreibtalenten stecke.
Das Jahr 2050 hat offenbar seine Tücken. Die Technik ist weit fortgeschritten, die künstliche Intelligenz allgegenwärtig. Aber ob damit automatisch alles besser wird, ist eine andere Frage. „Wird es wohl noch Bücher geben, oder werden wir von KI leben?“, fragt Elina Adler gleich im ersten Gedicht. Eine berechtigte Sorge. Schließlich wäre es ausgesprochen schade, wenn wir eines Tages unsere Gedichte von Maschinen schreiben und unsere Müsli-Schüsseln von Robotern füllen ließen.
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