Die wundersame Kapitalvermehrung

 

Analyse von Uwe Detert 

 

Lage. Der Stadt Lage geht langsam das Eigenkapital aus. Doch für 2029 hat die Verwaltung einen besonderen Buchungstrick vorgesehen – zusätzlich zu den Millionengewinnen, die der städti­sche Abwasserbetrieb ohne­hin regelmäßig an den Stadthaushalt abführen soll (siehe Artikel im Anschluss).

 

Und so funktioniert der Trick:

 

Schritt 1: Der Abwasserbetrieb schüttet 6 Millionen Euro aus seinen angesammelten Gewin­nen an die Stadt aus. Die Stadt verbucht das als Einnahme in ihrer Ergebnisrechnung. Schon sieht der Haushalt um 6 Millionen Euro besser aus.

 

Schritt 2: Jetzt gibt die Stadt dieselben 6 Millionen Euro sofort wieder an den Abwasserbetrieb zurück – allerdings nicht als Ausgabe, die das Jahresergebnis belastet, sondern als Kapitalein­lage. Der Betrag soll künftig den Wert ihrer Finanzanlage erhöhen.

 

Fertig ist der Haushaltszauber! Das Geld ist wirtschaftlich noch dort, wo es vorher war. Trotzdem kann die Stadt auf dem Papier 6 Millionen Euro mehr Eigenkapital ausweisen.


 

Geschäft mit dem Schmutz. Abwasser finanziert eine fette Position im Haushalt. Grafik mit Hilfe von KI.

 

Geld stinkt nicht

 

Von Hajo Gärtner (Text & Bild)

 

Lage ist im Kreisvergleich
ein superteures Pflaster

 

Lage. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) vergleicht jährlich die Gesamtkosten für einen standar­disierten Musterhaushalt (4 Per­so­nen, 200 m³ Schmutz­was­ser pro Jahr, 130 m² versiegelte Flä­che). Im Vergleich mit der Nach­bar­stadt Lemgo kommt dabei heraus:  Der Musterhaus­halt drückt in der Zuckerstadt jährlich 1228,50 Euro ab, in Lemgo fallen nur 982,60 Euro an. Und die Alte Hansestadt liegt schon über dem lippischen Durch­schnitt (rund 960 Euro). Damit gehört die Zuckerstadt für den Steuer­zahlerbund »zur absol­uten Spitzengruppe der teuer­sten Kommunen« im Lipperland.

 

Das ändert nichts daran, dass die Verwaltung dem Rat in der Be­triebs­ausschuss-Sitzung, die der Ratssitzung um einen Tag voranging, eine weitere Erhöhung zum 1. Januar vor­geschlägt.

 

Der Städtische Abwasserbetrieb Lage hat allein im Jahr 2024 einen Gewinn von rund 2,98 Mio. Euro erwirtschaftet. Davon wurden 2,975 Mio. Euro an die Stadtkasse abgeführt. Zwi­­schen 2010 und 2024 waren es insge­samt rund 23,6 Millionen Euro.

 

Sieht so aus, als biete das Wassergeschäft der Stadt eine kräftig sprudelnde Geldquelle.  Gewinne mit Schmutzwasser? Wie sagte schon der Römer vor gut 2000 Jahren: »Pecunia non olet“ (»Geld stinkt nicht“). Das sagte Kaiser Vespasian, als er eine Steuer auf öffentliche Latrinen beziehungs­weise den Urinhandel einführte. Sein Sohn Titus soll die Einnah­men als anrüchig kritisiert haben. Vespasian hielt ihm daraufhin Geld unter die Nase und fragte, ob es stinke.


 

 

Verleger Hans C. Jacobs, Fördervereins­vorsitzender Michael Biermann, Stadtbücherei­-Leitererin Eva-Maria Allert und Kinderbuchautorin Carolin Jenkner-Kruel (hintere Reihe) sind mit der Arbeit der jungen Autoren der Schreibwerkstatt sehr zufrieden.  

 

Robbi bereitet
das Müsli zu

 

Junge Schreibwerkstatt stellt Zukunftsvision vor

 

Text & Foto: Hajo Gärtner

 

Lage. Wozu braucht man leere Blätter? Richtig: damit man sie vollschreibt. Mit Einkaufszetteln, Steuererklärungen oder Liebes­briefen. Die jungen Autoren der Lagenser Stadtbücherei haben sich für etwas deutlich Span­nenderes entschieden: Sie schreiben Zukunft auf. Und zwar gleich bis ins Jahr 2050.

 

Das Ergebnis ist ein kleines, aber feines Büchlein mit dem viel­versprechenden Titel „Die Zukunft ist ein leeres Blatt“. Der Untertitel verrät, worum es geht: „Lagenser Schreibreise ins Jahr 2050“. Zehn- bis 14-Jährige haben sich auf den Weg gemacht und ihre Fantasie von der Leine gelassen. Was dabei herausgekommen ist, lässt sich in 50 Exemplaren nachlesen – so hoch ist nämlich die Auflage. Eine Rarität also, kein literarischer Blockbuster, aber eine Vision, die Beachtung verdient.

 

Herausgegeben hat diese Rarität der Förderverein der Stadtbü­cherei. Den Druck ermöglichte Verleger Hans C. Jacobs vom Lippe Verlag. Mit an Bord war außerdem die Lagenser Autorin Carolin Jenkner-Kruel; Unterstüt­zung kam vom Programm „SchreibLand NRW“.

 

„Mit diesem Buch halten Sie das wunderbare Ergebnis dieses Projekts in den Händen“, schwärmt Fördervereins­vor­sit­zender Michael Biermann im Vorwort. Die Geschichten und Gedichte zeigten, wie viel Poten­zial, Tiefgang und Erfindungs­reichtum in den jungen Schreib­talenten stecke.

 

Das Jahr 2050 hat offenbar seine Tücken. Die Technik ist weit fortgeschritten, die künstliche Intelligenz allgegenwärtig. Aber ob damit automatisch alles besser wird, ist eine andere Frage. „Wird es wohl noch Bücher geben, oder werden wir von KI leben?“, fragt Elina Adler gleich im ersten Gedicht. Eine berech­tigte Sorge. Schließlich wäre es ausgesprochen schade, wenn wir eines Tages unsere Gedichte von Maschinen schreiben und unsere Müsli-Schüsseln von Robotern füllen ließen. 

 

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