Der Rhythmus, bei dem jeder mit muss
Musik statt Faltencreme - Das beste Anti-Aging-Mittel hat sechs Saiten
Von Hajo Gärtner (Text) & Siggi Glaser (Montage)
»Älter werden ohne alt zu sein« – so lautet das Motto unseres Quartetts. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, steckt darin weit mehr Weisheit als in manchem teuren Anti-Aging-Ratgeber.
Denn Musik ist vermutlich die einzige Droge, die völlig legal, kalorienfrei und ohne Beipackzettel erhältlich ist. Sie begleitet uns vom ersten bis zum letzten Atemzug – und sogar schon davor. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Embryonen im Mutterleib auf Musik reagieren. Während andere also noch über Kinderwagen, Schulbildung und Berufswahl nachdenken, beginnt die musikalische Früherziehung bereits im Bauch. Man könnte sagen: Kaum angekommen, wird schon mitgewippt.
Musik besitzt überhaupt erstaunliche Fähigkeiten. Sie kann uns zum Tanzen bringen, obwohl wir eigentlich nur kurz aufstehen wollten. Sie kann Erinnerungen wecken, die seit Jahrzehnten verschollen waren. Sie schafft es, dass Menschen auf Konzerten Arm in Arm Lieder singen, deren Text sie sonst niemals freiwillig laut aussprechen würden. Und sie vollbringt das Kunststück, aus einer Ansammlung von Schallwellen echte Gefühle zu machen. Wer jemals bei einer Ballade Gänsehaut bekommen oder bei einem flotten Rhythmus unwillkürlich mit dem Fuß gewippt hat, weiß: Musik kann Dinge, die kein Schraubenzieher, kein Taschenrechner und oft nicht einmal gute Argumente zustande bringen.
Besonders wirksam wird sie allerdings, wenn man sie nicht nur konsumiert, sondern selbst macht. Musikhören ist schön – Musikmachen ist noch besser. Wer singt, spielt oder gemeinsam musiziert, trainiert gleichzeitig Konzentration, Gedächtnis, Koordination und soziale Kontakte. Kurz gesagt: Das Gehirn bekommt ein Fitnessprogramm, während die Seele Urlaub macht.
Deshalb sind wir überzeugt: Selber musizieren ist ein hervorragendes Anti-Aging-Rezept. Nicht weil dadurch die Falten verschwinden würden – das wäre selbst für die schönste Melodie zu viel verlangt. Aber weil Musik den Geist beweglich hält, das Herz erfreut und das Leben mit immer neuen Klängen bereichert. Und wer neugierig bleibt, lacht, singt und musiziert, der wird vielleicht älter, aber längst nicht alt.
Oder anders gesagt: Wer Musik macht, zählt nicht die Jahre – sondern die Takte. Und die können, wenn alles gut läuft, locker bis zum 100. Geburtstag reichen.
»Andere sammeln Briefmarken oder gehen zu Doppelkopf- und Skatabenden. Ich mache halt lieber Musik«, sagt Wolf Fricke, den man mal an der Gitarre und mal am Bass vorfindet. Ein Understatement: Die Mucke des Quartetts ist so groovig, dass sie auch anderen gefällt und das Publikum durchaus mitreißt. Ob mit deftigem Rock'n'Roll oder sanftem Retro-Ohrwurm: Die Musiker schicken ihre Zuhörer auf eine Wohlfühl-Reise der Erinnerung. Und das werden sie so lange tun, bis sie eines Tages genussvoll von der Bühne kippen.



