
Bürgermeister Matthias Kalkreuter (Mitte) und seine beiden rechten Hände Lars Bork (SPD, links) und Rudolf Stölting (CDU, rechts). Kalkreuter hat aus Spargründen nur noch zwei ehrenamtliche Stellvertreter; nicht mehr drei - wie früher. Fotos: Gärtner
Die Ruhe vor dem Sturm
Von Hajo Gärtner
Lage. Man glaubt es kaum, aber in Lage hat man ein seltenes Naturphänomen beobachten können: politische Einmütigkeit! Ja, richtig gelesen. Keine Gegenstimmen, keine Enthaltungen: Bei genauem Hinhören nicht einmal ein skeptisches Räuspern im Hintergrund. Die erste konstituierende Sitzung des neuen Rates war derart harmonisch, dass man kurz dachte, es handele sich um eine Probe für den Adventsgottesdienst. Die Ratsmitglieder hätten sich gegenseitig fast die Hände gereicht, hätte das nicht zu sehr nach überparteilicher Zärtlichkeit ausgesehen.
Doch wer die politische Szene in Lage kennt, der weiß: So viel Frieden hält nie lange. Die Frage liegt also auf der Hand: Sind die frisch gebackenen Ratsleute wirklich so verantwortungsbewusste Leuchttürme kommunaler Vernunft? Oder haben sie nur vergessen, die Keulen mitzubringen?
Denn es sind Rechnungen offen – und nicht zu knapp.
Die AfD hat noch ein Hühnchen mit den Grünen zu rupfen, die im Wahlkampf versuchten, Uwe Detert schon vorsorglich in die politische Verbannung zu schicken. Die CDU wiederum kämpft mit ihren zwei Flügeln: links und rechts – eine Art parteiinterner Schmetterling, der allerdings nicht flattern, sondern eher platzen will. Die „Rest-CDU“ übt derweil noch für den Tag, an dem sie Michael Biermann verzeiht, dass er zur Konkurrenz überlief und das Mandat gleich mitnahm – ein klassischer Fall von „Nicht mit leeren Händen gehen!“.
Die Grünen haben bei der Wahl so viel verloren, dass ihre Fraktion jetzt eher wie ein exklusiver Stammtisch wirkt. Und wahrscheinlich fragen sie sich insgeheim, ob die Anti-Detert-Kampagne nicht doch eher ein politischer Bumerang war – einer, der richtig gut fliegt, aber leider in die falsche Richtung. Das ist zumindest der CDU, die sich der Kampagne aus wahltaktischen Grünen angeschlossen hatte, inzwischen sonnenklar.
Die FDP hingegen wurde vom Wähler abgestraft, obwohl sie nichts falsch gemacht hat. Denn Martina Hannen hatte beim Bewerber-Karussell im Bürgerhaus durchaus den besten Eindruck hinterlassen – rhetorisch jedenfalls, was ja schon mehr ist, als man von manchem Bewerber sagen kann. Und sie ist nicht die weibliche Emanation von Christian Lindner, der seine Partei mit vollem Bewusstsein geschrumpft hat, als er für sein eisernes Festhalten an der Schuldenbremse "voll ins Risiko ging" (Lindner bei Sandra Maischberger).
Einziger echter Strahlemann: Andreas Epp vom "Aufbruch C". Obwohl dem Christlichen Schulverein im Wahlkampf der Vorwurf der „Homophobie“ um die Ohren flog, haben die "Aufbrüchler" das Ganze erstaunlich unbeeindruckt überstanden. Wahrscheinlich weil sie heimlich schon am Grundriss ihrer „Christlichen Gesamtschule am Stadenhauser Berg“ werkelten – und mit den neuen Mehrheiten sieht das für sie aus wie Weihnachten und Ostern zusammen.
Apropos "Homophobie": Ich meine, jedes Unternehmen hat das Recht, d i e Mitarbeiter auszusuchen, die es für am geeignetsten hält, um das Unternehmensziel zu erreichen. Wenn ich im Wettbewerb um eine Stelle den Kürzeren ziehe, kann ich mich nicht hinstellen und lamentieren: "Ich bin diskriminiert worden wegen meiner sexuellen Neigungen." Den Schuh muss sich "Aufbruch C" wirklich nicht anziehen. Da könnte ja jeder kommen und behaupten, er sei diskrimiert worden wegen seines Geschlechts, seiner Hautfarbe, seines Outfits, seiner Brille oder gar der Farbe seiner Schuhe. Hand aufs Herz: Es gibt nunmal d i e berühmte Bibelstelle in einem Römerbrief des Apostels Paulus über Homosexualität, und die kann ein christlicher Verein nicht einfach ignorieren. Genau so gut könnte man von einem Klempner verlangen, seine Rohrzange wegzuwerfen und mit der Pinzette zu arbeiten.
Ein möglicher Zankapfel ging ebenfalls harmonisch über die Bühne. Die Zahl der ehrenamtlichen Vertreter des Bürgermeisters wird aus Spargrünen von drei auf zwei reduziert. Um den Sack sofort zuzumachen, gab Kalkreuter seine beiden Vizes auch gleich bekannt: Rudolf Stölting (CDU) und Lars Bork (SPD). Die Einsparung des "dritten Mannes" hilft, ein Problem wie den "Salzufler Eklat" zu verhindern: Dort war Sabine Reinknecht von der AfD mit Stimmen anderer Parteien gewählt worden; eine Entscheidung, die dann mit großer Mehrheit peinlich revidiert werden musste. AfD-Mann Uwe Detert zeigte sich generös: "Wir tragen die Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen mit", sagte er und kommentierte als Einziger die Reduktions-Entscheidung als Gebot ökonomischer Vernunft.
Tatsächlich haben alle Fraktionen bislang immer - und nicht nur in Lage - auf eine möglichst hohe Zahl von ehrenamtlichen Vertretern des Bürgermeisters gedrängt, weil sie sich davon eine Repräsentation ihrer Partei in der öffentlichen Wirksamkeit des Bürgermeisteramtes erhoffen konnten. Doch die Zeiten haben sich geändert: Auch andere Entscheidungen des jungen Rates in der ersten Sitzung machten deutlich, dass in Zukunft der Koch "Schmalhans" die Speisekarte des kommunalpolitischen Menüs regieren wird.
Wie dem auch sei: Am Ende bedankte sich Bürgermeister Kalkreuter bei den Ratsdamen und Ratsherren für die harmonische Sitzung und bei den Zuschauern für deren zahlenmäßig mächtiges Interesse. "Sie haben dokumentiert, dass Ihnen die Kommunalpolitik in Lage am Herzen liegt", sagte er lobend.
Der Traum aller Kommunalpolitiker: richtig viel Interesse in den Publikumsrängen der Aula des Schulzentrums Werreanger. Mehr als 50 Zuschauer sind gekommen, um die erste konstituierende Sitzung des Rates in der neuen Periode zu beobachten. Auf das Foto klicken, um es zu vergrößern.
Paulus und die Homosexualität
- Römer 1,26-27: Paulus spricht von Frauen, die den „natürlichen Verkehr“ durch „widernatürlichen“ ersetzt haben, was als Verurteilung weiblicher Homosexualität gesehen wird. Er verurteilt auch männliche homosexuelle Handlungen, die er als „widernatürlich“ bezeichnet.
- Interpretation der Kritik: Einige Interpretationen gehen davon aus, dass Paulus die Praktiken im antiken Rom, die oft mit Ausbeutung und Missbrauch verbunden waren, anprangerte und nicht die gleichgeschlechtliche Liebe an sich. Andere Interpretationen sehen darin eine klare Verurteilung aller Formen homosexuellen Verhaltens.
- Kontext: Die paulinischen Aussagen stehen im Kontext der antiken römischen Gesellschaft, die durch komplexe Sexualmoral geprägt war. Es ist wichtig, die historischen und kulturellen Umstände zu berücksichtigen, wenn die Bibelstellen interpretiert werden.

Eveline Huber ist Bürgermeisterin in St. Johann (Pongau). Sie hat Bürgermeister Matthias Kalkreuter ein Schreiben schicken lassen, in dem eine Ruhephase der Partnerschaft nach 48 Jahren vorgeschlagen wird.
Stillstand einer Beziehung
[Update am 24.11. um 15 Uhr]
Lage/St. Johann (Pongau). Was ist da vorgefallen? Man legt doch nicht einfach so mir nichts, dir nichts eine bald 50-jährige Partnerschaft auf Eis. Doch das Schreiben aus St. Johann hörte sich nach "Scheidungsabsicht" an, das Bürgermeister Matthias Kalkreuter in der jüngsten Ratssitzung den neuen Ratsmitgliedern und dem zahlreich erschienenen Publikum in der Aula des Schulzentrums Werreanger verlas. Was sind die Hintergründe? Wie stehen Bürgermeisterin Eveline Huber und ihr deutscher Amtskollege dazu?
Andreas Hussak beschreibt "Evi Huber" im Fachmagazin "Kommunal" als "die Mutige mit Lust auf Veränderung". Das Magazin mit der Zielgruppe "Entscheiderinnen und Entscheider in österreichischen Gemeinden" und dem Inhalt "Berichterstattung über kommunalpolitische Themen wie Gemeindefinanzen, Kommunalwirtschaft, rechtliche Fragen, Umwelt, Verwaltungsfragen" ist das "offizielle Organ des Österreichischen Gemeindebundes".
"Man muss schon lange suchen, um einen Ortschef in Österreich zu finden, der einen derartig abwechslungsreichen und illustren Lebenslauf vorzuweisen hat, wie Evi Huber", schreibt Hussak in kommunal.at und beschreibt die 54-jährige Mutter von zwei Kindern als "polyglotte Weltenbummlerin".
Nach Abschluss der Frisörlehre begann sie bald an der Bar eines Fünf-Sterne-Hotels in St. Johann zu arbeiten, das hauptsächlich amerikanische Time-Share-Touristen beherbergte. So lernte die Teenagerin richtig gut Englisch, und mit 20 Jahren ging sie in die USA. Zuerst als Au-Pair nach New York, später zur Unterstützung einer Familie nach Chicago. Bis heute pflegt sie innige Kontakte zu den Menschen, die sie damals kennenlernte, insbesondere zu ihrer „American Mom“ die mittlerweile 81 Jahre alt ist.
Der Beruf "Frisörin" sei ihr Kindheitswunsch gewesen, seit sie ihren Puppen die Haare geschnitten hat, berichtet der österreichische Chronist. "Die ersten elf Lebensjahre wuchs die kleine Evi in einer Großfamilie am Bauernhof auf. Die Oma vermietete ein paar Gästezimmer und Evi lief gerne zwischen den Gästen umher und half beim Servieren. Fasziniert davon, woher die weitgereisten Fremden kamen, entwickelte sie die Sehnsucht, auch die weite Welt zu sehen."
Genau wie ihr deutsches Gegenstück sieht sich Eveline Huber im neuen Gemeinderat einer starken bürgerlich-konservativen Mehrheit gegenüber. Es gibt also durchaus Gemeinsamkeiten. So verfügt die ÖVP (vergleichbar mit der CDU) über 10 Ratssitze, die SPÖ über 9 und die rechtsgerichtete FPÖ über 5 Mandate. Dann gibt's noch die BBJO (BürgerInnenbewegung St. Johann) mit 1 Mandat. Insgesamt also 25 Sitze im Gemeinderat, nahezu spiegelbildlich zur neuen Zusammensetzung im Lagenser Stadtrat, wenn man die Grünen ausklammert, die es im Gemeinderat von St. Johann nicht gibt. 

