Unverzichtbarer Baustein und Stimmungsgarant des "Liederheim"-Karnevals: die Tanzgarde der TG Lage. Es gibt noch andere tolle Videoclips von der Veranstaltung: siehe unten den köstlichen "Bürgermeistersong", den "Biermann Song", den "Antifanten" und das "Schwarze Theater".
opulenter Bericht mit Bildergalerie
Satire mit Biss
Die "Liederheimer" nehmen beim Karneval kein Blatt vor den Mund
Von Hajo Gärtner
Lage. Karnevalisten kennen auf der Jagd nach Pointen keine Schonzeit: So nahm Marvin Detert die jüngste Lagenser Lokalpolitik nach allen Regeln Weidmännischer Kunst auseinander. So schubsten die Grünen Uwe Detert vom Bürgermeisterkandidaten-Wahlkarussell, indem sie ihn als "rechtsradikal" abstempelten. SPD und CDU sahen ihre Wahlkampfchancen dadurch steigen und schoben das Karussell kräftig mit an. Der Schuss ging vor allem für die Grünen nach hinten los: als Bumerang, der anfangs gut zu fliegen schien, am Ende aber am falschen Ort landete: Die Grünen wurden in ihrer Repräsentation im Rat halbiert und CDU-Ex-Fraktionschef Michael Biermann musste mit Parteiübertritt zu den Grünen die Scharte auswetzen.
Seitdem läuft es für den alten und neuen Bürgermeister Matthias Kalkreuter nicht mehr rund. Er bekommt wichtige Mehrheiten nicht mehr zustande und versuche deshalb, jeden "kalt zu stellen", der eine andere Meinung äußert, so Marvin Detert in seiner Show. In der Ecke zu landen: So ein Schicksal habe auch den langjährigen Technischen Beigeordneten Thorsten Paulussen ereilt, der sein Heil in der Flucht nach Detmold gesucht und gefunden habe.
Der Liederheim-Karneval erschöpfte sich aber nicht nur in bissiger Satire auf die Politik vom Lokalen bis in die weite Welt hinein - der Orangemann jenseits des Atlantiks bekam natürlich auch reichlich Fett ab -, sondern bot jede Menge bewährte Show-Elemente wie die hinreißenden Moves der temperamentvollen Mädels der TG-Lage-Tanz-Garde und die ebenso leidenschaftlichen, aber etwas weniger hübschen "Lie-La-Girls", die ihren männlichen Kern offen zur Schau stellen: Das ist ja auch der Reiz dieser Parodie.
Abwechslung lautete das Motto des 65. Jubiläums, und die rund 200 Gäste kamen - wie immer - voll auf ihre Kosten. Schön illustrierte Songs (Animationen auf großer Leinwand) ziehen mehr als Büttenreden.
Köstlich: der "Bürgermeistersong" als Satire auf den Wahlkampfversuch, die AfD schon im Vorfeld auszubooten; ein Schuss, der voll nach hinten losging.
Der "Biermann-Song" spielt auf den überraschenden Wechsel des Ex-Fraktionschefs der CDU, Michael Biermann, zu den Grünen an. Biermann half den Grünen damit, die Wahlniederlage (Halbierung der Sitzezahl im Rat) in etwas milderem Licht erscheinen zu lassen. Der Wechsel ist aber weniger auf eine Strategie der Grünen zurückzuführen und mehr auf innerparteiliche Querelen in der CDU.
Der "Antifant" als neue politische Kategorie: Er fühlt sich nur wohl, wenn er "Nazis hauen kann".
Atmosphärisch eindrucksvoll: das "Schwarze Theater" aus Berlebeck. Die Liederheimer kredenzten ihrem Karnevals-Publikum Augen- und Ohrenschmaus vom Feinsten. Rund 200 Gäste genossen die Vorführungen.

