Drei Generationen Eisenbahnfreunde-Management und ein stellvertretender Jugendwart, nämlich Hans-Jörg Horn, Dirk Schneider (aktueller Vorsitzender), "Gründervater" Uwe Genz und sein Nachfolger Friedhelm Rakowsky. Sie stellen den neuen Hochglanzkatalog, Lokmodell und das "Rangierdiplom" vor. Das Ganze von links. Fotos: Gärtner Auf das Foto klicken, um es zu vergrößern.
Aufhängen und Anschmachten
Volldampf voraus – der neue Hochglanz-Kalender der Eisenbahnfreunde Lippe ist da. Vorstellung am großen Stand der Leidenschaft für die Lok auf dem Haferbachfest 2025.
Von Hajo Gärtner
Lage-Ehlenbruch. Was haben ein Akkutriebwagen von 1965, ein ICE aus dem Jahr 2000 und ein Lokzug auf Abschiedstour gemeinsam? Richtig: Sie alle haben es in den neuen Kalender der Eisenbahnfreunde Lippe geschafft – und der ist nicht nur etwas für Leute mit "BahnCard 100" im Herzen.
Bereits zum vierten Mal heißt es: Eisenbahn-Action, Nostalgie und Stahl auf Schiene. „Die Bilder sind so schön, dass man den Kalender eigentlich zwei Mal kaufen müsste – einen zum Aufhängen und einen zum Anschmachten“, meint Vereinsvorsitzender Dirk Schneider augenzwinkernd. Das älteste Motiv stammt übrigens von Klaus Müller, dem ehemaligen Fahrdienstleiter von Barntrup. Der Mann kennt mehr Bahnsteige als andere Menschen Bushaltestellen.
Kalender mit Geschichte – und Geschichten
Ursprünglich ist die Idee 2022 entstanden, als Historiker Dr. Hans Jacobs bei der Arbeit an der Vereinschronik versehentlich in einem Stapel historischer Bahn-Bilder versank und erst drei Stunden später – leicht eingestaubt, aber inspiriert – wieder auftauchte. Seitdem erscheint jedes Jahr ein Kalender, der Züge zeigt, die selbst Thomas, die prominente TV-Lokomotive, vor Neid erblassen lassen würde.
Wenn’s ums Eingemachte geht: Drei Lokführer – ein Verein
Und wenn im Verein etwas auf die Gleise gesetzt werden muss, rollt geballte Kompetenz an: gleich drei Generationen Eisenbahnfreunde-Management stehen parat. Gründervater und langjähriger Vorsitzender Uwe Genz, sein Nachfolger Friedhelm Rakowsky und der heutige Lokführer des Vereinszugs, Dirk Schneider, sind sich in einer Sache völlig einig – Modellbahnbau ist kein Hobby, das ist eine Lebenseinstellung. Und diese Leidenschaft steckt auch viele Besucher an.
Eisenbahn live beim Haferbachfest
Besonders am Stand der Eisenbahnfreunde beim Haferbachfest: Dort zieht eine imposante Lok stolz ihre Waggons im Kreis. „Spur eins, Märklin, digital“, sagt Dirk Schneider mit einem Blick, der irgendwo zwischen Stolz, Begeisterung und „Finger weg von der Fernbedienung“ liegt. Doch das ist noch nicht alles – denn wer denkt, hier geht’s nur ums Gucken, hat die Rangierprüfung nicht gesehen!

Eine kleinere Lok steht nämlich bereit, um den jungen Gästen das heiß begehrte „Eisenbahnrangierdiplom“ zu ermöglichen. Aber Vorsicht: Das gibt’s nicht einfach so – da muss schon geknobelt werden! Die Aufgabe klingt einfach: Transportiere eine Last mit der Lok von A nach B; eine andere von B nach A. Der Clou? Nur die Lok passt durch den Tunnel, ohne den es nicht geht, die Waggons leider nicht – zu dick auf den Schienen! Also muss der Nachwuchs-Rangiermeister tricksen, kuppeln, rangieren und tüfteln, bis alles sitzt. Wer’s schafft, bekommt das Diplom – und ein kleines bisschen Eisenbahnehre fürs Leben.
Der Erlös? Für die Jugend. Die Druckerei? In Süddeutschland. Die Begeisterung? lippisch-global.
Und weil man vom Kalender allein nicht leben kann (außer man ist Terminplaner), gibt es auch 2026 wieder reichlich Veranstaltungen. So konnte man das gute Stück für 17 Euro nicht nur bei der Mittsommernacht in Kachtenhausen erwerben, sondern bald auch beim Modellbahnbasar am 9. November oder beim Tag der offenen Tür am 30. November. Wer lieber abends in aller Ruhe stöbert, darf montags und freitags von 19 bis 21 Uhr oder mittwochs von 17 bis 19 Uhr ins Vereinsheim im Bahnhof Ehlenbruch kommen. (Nur Vorsicht: Wer einmal kommt, bleibt meist gleich als Mitglied.)
Du hast Zug-Bilder? Wir haben Kalenderplatz!
Wer selbst ein Schätzchen in Form eines Eisenbahnfotos im Archiv hat – ob Dampflok, Dieselrösser oder Elektronenblitz auf Gleis 3 – darf es gern einsenden. Dirk Schneider verrät: „Ein paar schöne Motive haben wir zwar noch auf Lager, aber frisches Material ist immer willkommen!“ Einfach per E-Mail mit dem Betreff „Eisenbahn in Lippe 2027“ an info@eisenbahnfreunde-lippe.de schicken. Wer weiß – vielleicht schaut dein Bild nächstes Jahr von der Februar-Seite herunter.
Noch mehr Programm – ganz ohne Verspätung
Und sonst so? Am 6. Juli gibt’s um 10 Uhr das berühmte „Sonntagsfrühstück mit Klaus Müller“. Statt Brötchen und Kaffee wird’s diesmal Geschichten über Stellwerke, Schienen und Signalfehler geben – serviert vom Bahnprofi persönlich. Nicht verpassen!
Wer dann noch nicht genug hat, sollte sich den 27. September vormerken: Die Eisenbahnfreunde steuern das Miniaturwunderland in Hamburg an – Abfahrt in Ehlenbruch ist um 4.50 Uhr. Ja, morgens. Sehr. Früh. Aber echte Eisenbahnfans kennen keinen Schlafmangel, nur Zugpläne. Für 59 Euro (Erwachsene) oder 52 Euro (Jugendliche) gibt’s Fahrt, Eintritt und vermutlich ganz viele „Ooohs“ und „Aaahs“. Anmeldung bei Hans-Jörg Horn per E-Mail: hans-joerg-horn@unitybox.de
Fazit:
Der Kalender ist mehr als ein Wandbegleiter – er ist ein Stück lippischer Eisenbahnleidenschaft. Und wie sagt man so schön: Wer sich einmal in eine Lok verliebt hat, ist für Autos sowieso verloren.

"Erzähl du mir keinen vom Pferd", scheint der junge Eisenbahnfreund Mats Schmidt dem stellvertretenden Jugendwart mit Mütze zu sagen. Das sieht auf dem Foto aber nur so aus: In Wahrheit sind sie sich über die beste Strategie zum Erwerb des Rangierdiploms vollkommen einig. Die ganz jungen Diplom-Prüflinge hören aufmerksam zu, um die anstehende Prüfung zu schaffen.
Wenn der Zug pünktlich kommt, war's garantiert ein Modell.
Freundlicher Gruß aus der Cafeteria: Mats, Dirk Schneider (von links), Christina Schmidt (rechts) und ihre fleißigen Helfer verwöhnen die Gäste des Modellbau-Basars gern mit Würstchen, Leberkäs und Sauerkraut und zur Abrundung Kuchen allerlei Art. Text und Fotos: Hajo Gärtner
Große Leidenschaft für kleine Loks
Die Deutsche Bahn (DB) hat ein großes Personalproblem – und das nicht erst, seit sich ihre Manager häufiger mit Streikplänen als mit Fahrplänen beschäftigen. Wo früher noch Lokführer grüßten, herrscht heute gähnende Leere in den Abteilen: Züge fallen aus, Weichen streiken, und die App weiß mal wieder von nichts. Wer als Pendler morgens eine Verspätung von nur zehn Minuten erlebt, spricht von einem Wunder auf Schienen.
Ganz anders läuft es bei der kleinen Schwester der echten Bahn: der Modelleisenbahn. Dort ist die Welt noch in Ordnung – Züge fahren pünktlich, Lokführer streiken nicht, und die größte Betriebsstörung besteht darin, dass mal ein Keks auf die Gleise fällt. Wie schön das sein kann, zeigt sich regelmäßig beim Basar der Eisenbahnfreunde Lippe im Schulzentrum Werreanger.
Dort herrscht keine Hektik, kein Schienenersatzverkehr und garantiert kein Lautsprecher, der verkündet: „Dieser Zug fällt heute leider aus.“ Stattdessen: leuchtende Augen, klappernde Waggons und eine Begeisterung, die so ansteckend ist, dass sie offenbar ganze Familien infiziert. Väter schleppen prall gefüllte Einkaufstüten aus der Handelsarena, während die Söhne schon den nächsten Streckenabschnitt planen – ganz ohne Bahnchaos und Ersatzbus. Rund 400 Besucher kommen aus Lippe und dem ganzen ostwestfälischen Umland ins Schulzentrum. Und das Beste: Sie kommen freiwillig, nicht weil der Zug in Lage gestrandet wäre und man sich die Zeit beim Warten auf den Anschluss vertreiben wollte.
„Das ist hier eine freundliche, familiäre Atmosphäre“, schwärmt Herbert Willms von den Herforder Eisenbahnfreunden, der an seinem Stand kleine Schätze für große Enthusiasten anbietet. Begleiter Udo (57) nickt zustimmend und fügt hinzu: „Sehr freundliche Leute – und ein breites Angebot!“ Vom Lok-Bausatz bis zum Miniatur-Bahnhof gebe es alles, was das Eisenbahnerherz höher schlagen lässt. Sogar Gleiskonstruktionen, die wirklich funktionieren – ein Satz, den man im DB-Management nur mit feuchten Augen liest. Jane (45) ergänzt: „Hier ist alles schön überschaubar – und die Kantine ist klasse!“ Tja, während die DB Milliarden in Bordbistros steckt, die dann wegen „technischer Schwierigkeiten“ geschlossen bleiben, läuft in Werreanger allein schon der Kaffee ohne Verspätung.
Auch für die jungen Bahnfreunde ist gesorgt. Christina Schmidt freut sich, dass ihr Sohn Mats mit Begeisterung bei der Jugendgruppe mitmacht: „Das ist pädagogisch wertvoll, sozial und schafft Struktur im Alltag.“ Und wer weiß – vielleicht bildet sich hier ja schon die nächste Generation von Bahnchefs, die später tatsächlich pünktliche Züge auf die Schiene bringen.
Mats und seine Freunde Arne und Fabian basteln jedenfalls konzentriert an ihrer Anlage, probieren Weichenstellungen aus und lassen Züge kreisen – elektrisch, automatisiert, störungsfrei. Ein System, das im Kleinen erstaunlich gut funktioniert – oder, wie man es in Berlin nennen würde: Science-Fiction auf Schienen.
Dirk Schneider, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Lippe, zeigt sich zufrieden. Der 90. Modellbaubasar ist ein voller Erfolg – kein Ausfall, keine Verzögerung, kein Ersatzverkehr. Nur Spaß, Leidenschaft und Geschichte: Denn zufällig fällt der Termin auf den 9. November, jenen Tag mit großer historischer Bedeutung. „Ein Tag, der zeigt, dass Deutschland sich verändern kann“, sagt Schneider. Wer weiß, vielleicht sogar irgendwann die Deutsche Bahn. Aber bis dahin gilt: Wer pünktlich ankommen will, sollte lieber im Maßstab 1:100 reisen.
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